Aktionstage Politische Bildung Globale Nachhaltigkeit braucht Kinderrechte 9. Mai 2019

Wir möchten Sie gerne auf die “Aktionstage Politische Bildung” an der PH Kärnten aufmerksam machen:

Globale Nachhaltigkeit braucht Kinderrechte!
30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention
3 Jahre 2030-Agenda

9. Mai 2019, ab 09:00 Uhr
PH Kärnten, Hubertusstraße 1, 9020 Klagenfurt am Wörthersee

Weitere Informationen finden Sie im Flyer (Link)

Anmeldung erbeten an: ulrike.kaiser@ph-kaernten.ac.at oder sandra.unterwieser@ph.kaernten.ac.at

Zentrum für Friedensforschung und Friedensbildung
Institut für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Österreichische Jugendkonferenz 5.-7. Juni 2019 in Kärnten

Politik für junge Menschen soll mit jungen Menschen gestaltet werden!

Dafür wollen wir junge Menschen einbinden, vernetzen und ermächtigen – und damit die EU-Jugendstrategie in Österreich umsetzen und in alle Bundesländer bringen.

Die Koordinierungsstelle Jugenddialog organisiert in Zusammenarbeit mit der Bundesjugendvertretung, den Landesjugendreferaten und dem Bundeskanzleramt von 5.-7. Juni die 1. Österreichische Jugendkonferenz. Ein wichtiger Programmteil wird dabei der Dialog mit allen LandesrätInnen, der Bundesministerin für Frauen, Familien und Jugend und jungen Menschen sein!

Der Fokus der 1. Österreichischen Jugendkonferenz liegt auf den Youth Goals.
Rund 60 junge Menschen werden auf der Konferenz gemeinsam über die Zukunft von Arbeit, Bildung und Chancen für junge Menschen im ländlichen Raum diskutieren. Die insgesamt elf Youth Goals sind Teil der EU-Jugendstrategie 2019-2027. Sie geben die Richtung der gemeinsamen Jugendpolitik in der EU vor. Sie spiegeln die Ansichten junger Menschen in ganz Europa wider.

Insbesondere wird die Konferenz einen Schwerpunkt auf diese drei Youth Goals legen:

• Youth Goal #6: Jugend im ländlichen Raum voranbringen
• Youth Goal #7: Gute Arbeit für alle
• Youth Goal #8: Gutes Lernen

Details im Überblick:
Die Jugendkonferenz findet von 5.-7. Juni in St. Kanzian/Kärnten statt.
Die Teilnahme ist kostenlos und Fahrt- sowie Nächtigungskosten werden übernommen
Anmeldungen sind bis 21. April unter folgendem Link möglich: tinyurl.com/jugendkonferenz2019

Wir würden uns freuen, dich bei der Konferenz begrüßen zu dürfen & würden uns auch sehr über eine Verbreitung über deine Netzwerke freuen.
Bei Rückfragen kannst du dich gerne an office@jugenddialog.at wenden.

Den Flyer findest Du hier (Link)

BORG Hermagor Projekt Future Challenge Europe4me

 

SchülerInnen des BORG Hermagor haben sich am Wettbewerb der Wiener Zeitung mit einem engagierten Projekt beteiligt.

Weitere Informationen finden Sie hier (Link)

Die halbierte Demokratie – 100 Jahre Frauenwahlrecht

Die halbierte Demokratie – Tagung am 27.4.2019  ab 09.00 Uhr an der Universität Klagenfurt

Gerade im Jahr von 100 Jahre Frauenwahlrecht lohnt es sich wieder über Demokratie zu diskutieren.
Wie funktioniert unsere Demokratie, durch was wird sie gefährdet und wo hat sie Mängel.
Mit dem Blick auf die politische Teilhabe von Frauen in Österreich gehen wir diesen Fragen nach.
Die historischen Kämpfe um gleichberechtigte Teilhabe beleuchtet ANDREA ELLMEIER, die Grenzen der europäischen Demokratie reflektiert BIRGE KRONDORFER und von der aktuell erschwerten Teilnahme im und am öffentlichen Raum von Frauen anderer Herkünfte berichtet AMINA BAGHAJATI.
Nach den drei Vorträgen, gibt es Zeit zur Diskussion, zu einem Imbiss und zum Austausch in Gesprächsrunden mit den Referentinnen. Es moderiert ANISA HALIILOVIC und wir fragen nach Visionen und Handeln in einer prekären historischen Situation, wo jede Stimme zählt – wenn sie denn dürfte.

Ort: Universität Klagenfurt im Stiftungssaal, Universitätsstraße 65-67
Veranstaltet von: Katholische Frauenbewegung, Frauenhetz, Katholisches Bildungswerk, Katholische Hochschulgemeinde
Die Tagung wird von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung gefördert
Der Eintritt ist frei.

Zum Flyer:

Die halbierte Demokratie – Flyer WEB

 

 

 

Landesfinale Bildung-Europa-Quiz 2019

Kärnten ermittelte das Landessiegerteam des Politische Bildung-Europa-Quiz 2019

Nach einem Sieg beim letztjährigen Bundeswettbewerb für Kärnten stellten sich am 05.04.2019 im Congress Center Villach – nach einer Vorauswahl – die besten 18 Kandidat/innen in drei Teams den herausfordernden und kniffligen Fragen beim Landesfinale des Politische Bildung-Europa-Quiz 2019. Rund 2.000 Schüler/innen aus 32 Kärntner Schulen der Sekundarstufe I und II (von NMS, PTS, FBS AHS-Ober- und Unterstufe bis BMHS) haben sich im Vorfeld am Schulwettbewerb an ihrer Schule beteiligt.

Siegerteam des Landes Kärnten

Gerald Knapp (BG Tanzenberg)

Antonov Blagovest (BG Europagymnasium)

Sebastian Ambrosch (NMS Landskron)

Fabio Wucherer (HTBLA Villach)

Florian Stojec (BHAK Völkermarkt)

Simon Niederbichler (FBS St. Veit/Glan)

 

Zum vollständigen Bericht

 

 

 

 

 

Besuch von Schülerinnen und Schüler der HLW Spittal/Drau im Kärntner Landtag

Exkursion der 5BHW und des 2AUF im Kärntner Landtag am 25.10.2018

Am 25.10.2018 hatten die Klassen 5BHW und 2AUF Gelegenheit das theoretische Wissen über die Tätigkeit des Kärntner Landtages aus dem Fach Politische Bildung und Recht in der Praxis zu erleben.

Zum Bericht und zu den Fotos http://www.hlwspittal.at/index.php/exkursion-der-5bhw-und-des-2auf

 

 

 

 

 

 

 

Landesjugend – Redewettbewerb 2019

Landesjugendredewettbewerb 2019

Wer seine Gedanken klar und präzise formulieren kann, der hat in vielen Belangen leichter. Du kannst öffentlich zu wichtigen nationalen und internationalen Gesellschafts- und Jugendfragen Stellung nehmen!

Und dabei auch noch gewinnen!
Zur Ausschreibung Ausschreibung Schulen_RWB 2019

Zum Folder 02_RW67_Folder_KTN

Detaillierte Informationen zu Ablauf, Inhalt, Terminen und Zielgruppen befinden sich im Anhang sowie auf der Homepage des Landesjugendreferats http://www.jugend.ktn.gv.at/.

Das Landesfinale wird am Freitag, 26. April 2019, ab 9:00 Uhr,  im ORF-Theater in 9020 Klagenfurt ausgetragen. Das Bundesfinale findet dieses Jahr vom 25. bis 29. Mai 2019 in Wien statt.

Anmeldung können Online mittels Formular auf der Homepage http://www.jugend.ktn.gv.at/ oder bei direkt Frau  Ingeburg Podgornig, E-Mail: ingeburg.podgornig@ktn.gv.at, vorgenommen werden.

Noch ein spezieller Hinweis für interessierte TeilnehmerInnen  am Redewettbewerb: Um sich optimal auf die Rede vorzubereiten oder sich einfach nur Tipps zu holen, wird am

  1. März 2019 ein kostenloses Rhetoriktraining angeboten.

Alle Veranstaltungen werden zur schulbezogenen Veranstaltung erklärt.

Wir freuen uns über das Interesse und  auf eine rege engagierte Beteiligung der Schülerinnen und Schüler!

 

 

 

 

Zeichnen gegen das Vergessen

Die NMS Bleiburg präsentiert im Rahmen ihres Schulprojektes die Ausstellung „Zeichnen gegen das Vergessen“, sowie den preisgekrönten Dokumentarfilm “Drawing against oblivion” von Manfred Bockelmann. Die Dauerausstellungen in der NMS Bleiburg und im Kulturni Dom Pliberk/Bleiburg können ab 7. März (Vernissage mit Manfred Bockelmann) besichtigt werden. Wir laden Sie herzlichst ein, sich von diesen großformatigen Porträts “berühren” zu lassen!

Link zur Webseite der NMS Bleiburg

#denk_ART: Einladung als PDF

WI’MO SchülerInnen forschen zur Geschichte des Holocaust

27 01 2019 Internationaler Holocaust-Gedenktag

Annalena Wener und Lukas Lesiak (3BHW) haben die WI’MO Schulgemeinschaft anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags im Künstlerhaus, mit einer Vorstellung des Erasmus+ Projekts ICTHE „Holocaust Education“ vertreten.  In ihrer Präsentation stellten die SchülerInnen die Webseite „Eternal Echoes – Teach and Learn about the Holocaust“ und ihren Zugang als Jugendliche zu den Themen Gedenken und Erinnerungsarbeit vor.

Die Festansprache wurde von Dr.med. Helga Feldner-Bustin gehalten, die von ihrer Enkelin Anna Goldenberg, Autorin des Buches „Versteckte Jahre: Der Mann, der meinen Großvater rettete“ begleitet wurde.

Die Teilnahme am Holocaust-Gedenktag fügt sich in die derzeit stattfindenden Vorbereitungen für die Exkursion der WI’MO SchülerInnen in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ein.

SchülerInnen der 3BHW, 4AHM, Ilse Geson-Gombos

 

https://www.diewimo.at/schuljahr-2018-2019-allgemein-details/internationaler-holocaust-gedenktag-709.html

Die Teilnahme am Holocaust-Gedenktag fügt sich in die Vorbereitungen für die Exkursion der WI’MO SchülerInnen in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ein.

Reiseberichte und Fotos: https://www.diewimo.at/schuljahr-2018-2019-allgemein-details/exkursion-krakau-auschwitz-721.html

 

Die beeindruckende Rede von Univ.-Prof. Dr. Peter Gstettner „Zum Internationalen Holocaust-Gedenktag“ ist hier nachzulesen:

Peter Gstettner: Scham, Schuld und Erinnerung nach Auschwitz

Am 27. Jänner 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Um es genau zu sagen, alle Lager wurden befreit, die in diesem industriellen, „deutschen Interessensgebiet“ einbezogen waren, also auch Auschwitz II, besser bekannt als Auschwitz – Birkenau und Auschwitz III, das Lager, das bei den Buna-Werken angesiedelt war.

Zwei Bilder der „Befreiung“, die uns der Zeitzeuge Primo Levi vermittelt hat, stehen uns vor Augen:

Das erste Bild, das Primo Levi als Überlebender von Auschwitz-Buna zeichnet, bezieht sich auf die Situation seiner Leidensgenossen, die bei der Befreiung schon näher dem Tod als dem Leben waren.

Bereits 10 Tage davor formierte die Lager-SS sog. Evakuierungstransporte. Zehntausende Häftlinge, die von der Lagerleitung als „gehfähig“ eingestuft wurden, begaben sich in der Nacht zum 18. Jänner 1945 auf die „Todesmärsche“ zu den weiter im Westen gelegenen Konzentrationslagern. Zurück blieben die Kranken und die Nichtgehfähigen. Unter ihnen war auch Primo Levi, Sohn jüdischer Eltern aus Turin, gelernter Chemiker, der wegen seiner Aktivitäten im Partisanenwiderstand verhaftet wurde. Primo Levi war zu schwach, um sich dem Evakuierungstransport anzuschließen. Er versuchte indessen in der Krankenbaracke von Auschwitz III bei seinen Kameraden den Willen zum Überleben und die Hoffnung auf die baldige Befreiung aufrecht zu erhalten. Die Umstände, unter denen er dieses fast aussichtslose Vorhaben unternahm, beschreibt er so:

„Wir lagen in einer Welt der Toten und der Larven. Um uns und in uns war die letzte Zivilisation geschwunden. Das Werk der Vertierung, von den triumphierenden Deutschen begonnen, war von den geschlagenen Deutschen vollbracht worden.“ (Levi 1999, S. 178) [1]

Ja, das Werk der „Vertierung“ haben die Deutschen systematisch begonnen und noch vor ihrer Kapitulation zu Ende gebracht. Sie haben die von ihnen unterjochten Menschen auf das Niveau von Nicht-Menschen erniedrigt und ihnen damit auch noch den letzten Rest von zivilisatorischer Existenz und menschlicher Würde genommen.

Was für ein erschütterndes Fazit der NS-Zeit! Es lässt in Umrissen erkennen, was die Shoah, die große Katastrophe, in Wahrheit war: nämlich keine Kriegshandlung, kein spontanes, emotionsgeladenes Massaker an vermeintlichen „Gegnern“, sondern ein Verbrechen an der Menschheit schlechthin.

Das zweite Bild, ebenso eindrücklich, jedoch mit einem etwas anderen Fokus geschildert, hat sich Primo Levi eingeprägt, als die „Befreier“ auftauchten. Er beschreibt seine Begegnung mit den ersten russischen Soldaten, die gegen Mittag des 27. Januar 1945 auf das von den Deutschen und von den gehfähigen Häftlingen verlassene Lager stießen:

„Es waren vier junge Soldaten zu Pferde; vorsichtig ritten sie mit erhobenen Maschinenpistolen die Straße entlang, die das Lager begrenzte. Als sie den Stacheldraht erreicht hatten, hielten sie an, um sich umzusehen, wechselten scheu ein paar Worte, und blickten wieder von einer seltsamen Befangenheit gebannt, auf die durcheinanderliegenden Leichen, die zerstörten Baracken und auf uns wenige Lebende. (…) Sie grüßten nicht, lächelten nicht; sie schienen befangen, nicht so sehr aus Mitleid, als aus einer unbestimmten Hemmung heraus, die ihnen den Mund verschloß und ihre Augen an das düstere Schauspiel gefesselt hielt.“ (Levi 1999, zit. nach Agamben 2003, S.76)

Primo Levi lässt eine Interpretation folgen, die uns vielleicht überraschen mag, weil wir heute wissen, wie andere alliierten Soldaten reagiert haben, die ein, zwei Monate nach Auschwitz andere Konzentrationslager befreit haben. Die oben beschriebene „gehemmte“ Reaktion der vier russischen Soldaten deutet Primo  Levi so:

„Es war die gleiche (uns) wohlbekannte Scham, die uns nach den Selektionen und immer dann überkam, wenn wir Zeuge einer Misshandlung sein oder sie selbst erdulden mussten: jene Scham, die die Deutschen nicht kannten, die (aber) der Gerechte empfindet vor einer Schuld, die ein anderer auf sich läd und die ihn quält, weil sie existiert, weil sie unwiderruflich in die Welt der existierenden Dinge eingebracht ist und weil sein guter Wille nichts oder nicht viel gilt und ohnmächtig ist, sie zu verhindern.“ (Levi 1999, zit. nach Agamben 2003, S.76)

Warum ist es wichtig, sich solche kleine Episoden immer wieder zu vergegenwärtigen, auch am heutigen Internationalen Gedenktag, an dem das Erinnern an den „Zivilisationsbruch“ in seiner ganzen europäischen Dimension eingemahnt wird? Sollte man nicht die NS-Zeit „aufarbeiten“ an Hand der anerkannten wissenschaftlichen Literatur? Keine Frage: Die Holocaustforschung ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einer expandierenden und weltweit anerkannten Wissenschaftsdisziplin geworden. Spät aber doch beschäftigt sie sich heute auch mit der Zeitzeugenliteratur, analysiert sie und wertet sie aus. Diese Wertschätzung kommt nicht von ungefähr, waren es doch die Zeitzeugen und Zeitzeuginnen, die mit ihren Berichten den Grundstein für jedwede Bewusstseinsarbeit, aber auch für alle zeitgeschichtlichen Ausstellungen und Museen gelegt haben.

Die neue Wahrnehmung der Berichte der Überlebenden der Shoah durch die heutige Gesellschaft ist zumeist auch mit einer Anerkennung des Widerstandes und des Kampfes der NS-Internierten für ein freies und selbstbestimmtes Leben verbunden – und mit einer späten Würdigung des selbstlosen, todesmutigen Verhaltens jener Menschen, die andere vor ihrem Untergang gerettet haben. Von einem dieser Menschen wird heute noch die Rede sein.

Die Befreiung, so die Hoffnung der Befreiten, würde das Tor für alle zum Weg zurück zum Menschsein öffnen. Für die Befreiten war dies oft ein langer und schwieriger Weg, auf dem sie sich oft „unsichtbar“ machen mussten, um mit ihren traumatischen Erlebnissen der „neuen Gesellschaft“ nicht zur Last zu fallen. Einige von ihnen – dazu gehörte auch Primo Levi – nahmen sich, Jahre nach ihrer „Befreiung“, das Leben. Es steht uns nicht zu, darüber zu spekulieren, welche Motive es waren, die Überlebende zu diesem Schritt bewogen haben. Wir dürfen aber annehmen, dass es irgendetwas mit ihren traumatischen Erfahrungen in Gefangenschaft und im Lager zu tun hat – und vielleicht auch mit den Reaktionen unserer „befreiten“ Gesellschaft.

Rudolf Vrba, einem jungen slowakischen Juden, gelang am 7. April 1944 mit seinem Kamerad Alfred Wetzler die Flucht aus Auschwitz-Birkenau. Zuvor hatten sie alle Stadien der Demütigung, Erniedrigung und Folterung erlebt und überlebt. Sie waren überzeugt davon, dass – sollte die Flucht gelingen – ihre Berichte über Auschwitz „die Welt“ zum Eingreifen bewegen könnte. Insbesondere die jüdischen Organisationen und Widerstandsgruppen in den besetzten Ländern, vor allem aber in Ungarn, sollten davor gewarnt werden, dass die Juden nicht in die Züge zu steigen, die die Deutschen schon für den Transport der ungarischen Juden „in die Arbeitslager des Ostens“ bereitgestellt hatten. Nicht neue Arbeitslager sondern die Gaskammern in Auschwitz waren die Bestimmungsorte und die Endstationen dieser Transporte. Das konnte Rudolf Vrba mit seinem eigenen Schicksal bezeugen. – Nicht über die Hindernisse und den begrenzten Erfolg seiner Mission möchte ich hier sprechen (das können sie im Buch von Rudolf Vrba „Ich kann nicht vergeben. Meine Flucht aus Auschwitz“, nachlesen), sondern über eine kleine Begebenheit, die Rudolf Vrba berichtet.

Nach gelungener Flucht aus dem Lager und nach der Ankunft in der Slowakei im Sommer 1944 war es immer noch sehr gefährlich, besonders für Juden, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Es regierte der klerikal-faschistische Staatschef Jozef Tiso, ein slowakischer Nationalist von Hitlers Gnaden, der sich seine Truppe, die sog. Hlinka-Garden, hielt: eine slowakische Soldateska, was wiederum dem Reichsführer SS Heinrich Himmler gar nicht gefiel. Von dieser Entwicklung wussten freilich Rudolf Vrba und sein Freund Alfred Wetzler nichts Genaues. Sie hatten sich einigermaßen vertraut gemacht mit der Lebensweise von Widerständlern im Untergrund. Mit stubenreinen (gefälschten) Ausweisen, die sie als betuchte arische Studenten auswiesen, fühlten sie sich relativ sicher. So spazierten Rudolf und Alfred eines Tages durch ihre Heimatstadt, als eine Kolonne slowakischer (Hlinka-)Soldaten vorbeimarschierte. Plötzlich schrie einer dieser Soldaten: ‚Fredo!’

„Ein junger Bursche von vielleicht dreiundzwanzig Jahren löste sich von seinen Kameraden und kam auf uns zu. Er ergriff  Freds Hand, schüttelte sie heftig und sagte: „Na, du alter Knabe, wo hast du die ganze Zeit gesteckt? Es muss doch mindestens sechs Monate her sein, seit ich dich zuletzt gesehen habe!“

Fred riss vor gespieltem Erstaunen die Augen auf. „Zum Teufel, nein!“, sagte er, „Doch nicht so lange! Wie die Zeit rast!“

„Ich bin hier stationiert. Vielleicht sehen wir uns heute Abend in der Stadt.“

Fort war er und flitzte die Straße hinunter hinter seiner Kolonne her. Fred schüttelte bedächtig den Kopf und sagte lächelnd: „Wir haben immer Fußball zusammen gespielt. Sechs Monate? Mein Gott, wenn er wüsste, dass es ein ganzes Leben her ist, seit wir uns zum letzten Mal gesehen haben.“

Uns so war es. Den anderen kamen diese zwei Jahre nicht länger als sechs Monate vor. Uns wie ein Jahrhundert. Irgendwie fanden wir es nicht richtig, dass die Welt sich weitergedreht hatte, während es Auschwitz gab, dass die Leute gelacht und gescherzt, getrunken und sich geliebt hatten, während Millionen starben und wir um unser Leben kämpften.

Nicht, dass Fred und ich uns in der Vergangenheit suhlten. Im Gegenteil, wir versuchten verzweifelt, sie abzuschütteln. (…) Ja, wir amüsierten uns mit geradezu grimmiger Entschlossenheit… Doch der Schatten des Todes schwebte immer über uns. (…) Wenn wir an den slowakischen Bächen entlangwanderten, spiegelten die immer Gesichter, die wir nie wiedersehen würden. Wenn wir Orte aufsuchten, an denen wir vor dem Krieg gespielt hatten, und eine fast vergessene Heiterkeit wiederzugewinnen hofften, sahen wir, dass die Steine in den vertrauten Straßen vom But der Menschen befleckt waren, die wir gekannt hatten.

Vielleicht zwangsläufig fragten wir uns manchmal, ob wir wohl je wieder glücklich sein würden oder ob Auschwitz, der Ort, an dem so viele Menmschen gestorben waren, selbst unsterblich sein würde, bis wir starben, ja, ob er soger noch darüber hinaus weiterleben würde, um die heimzusuchen, die wussten, was dort geschehen war.“ (Vrba S. 422-423)

Es ging mir mit dem Erzählen dieser kleinen Episoden um die Frage, wozu und woran sollen wir uns eigentlich erinnern? Ich habe darauf auch keine endgültige Antwort. Aus meiner Erfahrung mit „Erinnerungsarbeit“ wage ich aber die Behauptung: Erinnerung muss unser „emotionales Gedächtnis“ tangieren, muss es befördern und letztlich zeitnah auf jene zentrale Frage zuspitzen, die die ethische Grundfrage des Menschen zu allen Zeiten ist: Wann ist der Mensch wirklich ein Mensch und wann ist sein Handeln wirklich „menschlich“?

Bruno Bettelheim, der bekannte Psychotherapeut und Kinderpsychologe, der als in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald war, hat bereits dort – als Schüler von Siegmund Freud – theoretische Überlegungen angestellt, wie Menschen überhaupt mit so schrecklichen Erlebnissen und selbst erlittenen oder selbst verübten grauenhaften Gewalttaten weiterleben können? Wie sie dabei und danach „Mensch“ bleiben können?

In seinem Werk „Erziehung zum Überleben. Zur Psychologie der Extremsituation“ (München 1992, S. 329) schreibt er dazu sinngemäß:

Die Fähigkeit, sich schuldig zu fühlen, macht uns zu humanen Menschen, auch dann, wenn man wir – objektiv gesehen – gar nicht schuldig sind (zit. nach Agamben 2003, S. 81).

Das führt uns unmittelbar in die Gegenwart, denn alle „Nachgeborenen“, von denen gesagt wird, sie stünden im Stand der „Gnade der später Geburt“, sind objektiv ohne Schuld an den Verbrechen der Nazis. Aber es gibt noch etwas Anderes, das Ralf Giordano „die Zweite Schuld“ nennt: die Vergessensschuld; und ich würde ergänzen: die Schuld des Nicht-wissen-wollens.

Die Vergessensschuld trifft nur jemanden, der schon einmal etwas gewusst hat. Das Nicht-wissen-wollen kann auf mangelndes Interesse zurückgeführt. Meistens ist es aber Schuldabwehr.

Die größten Nazitäter, so sie vor Gericht gestanden sind, konnten angesichts der von den Zeugen gegen sie vorgebrachten Anschuldigungen, völlig schamlos abstreiten, dass sie an den Mordtaten eine Schuld trifft; die meisten wollten damit nichts zu tun gehabt haben. Die Scham, die den Augenzeugen ins Gesicht geschrieben stand, war für die Täter nur ein Zeichen für die Unsicherheit, die sie auf die Gedächtnisschwäche der Zeugen zurückführten.

Die Überlebenden der Shoah tragen jedenfalls ihr Leben lang Erinnerungen an die finstersten Augenblicke der Menschheitsgeschichte in sich. Würden ihre Erinnerungen in Vergessenheit geraten, könnten die beruhigt aufatmen, die sich in der Gegenwart schon ganz den Problemen der Zukunft verschrieben haben. Welcher Zukunft? Der Wiederkehr des völkischen Nationalismus, jener „Bewegung“, die sich bereits jetzt schon durch ihre Vorboten europaweit stark macht?

Deshalb sei mir abschließend die Frage erlaubt: Kann die kontinuierliche Arbeit an der Erinnerung ein Schlüssel zur Bewältigung unserer heutigen Herausforderungen sein? Ja, die Hoffnung besteht jedenfalls. Gegen das Vergessen anzukämpfen kann eine Entwicklungsstrategie der Zukunft sein, sofern dadurch das menschliche Bewusstsein für das Humane, für das Menschen-würdige aufgeschlossen wird, was freilich nur dann geschehen wird, wenn sich diese Bewusstseinsentwicklung nicht abstrakt innerhalb der Mauern der „Festung Europa“ vollzieht, sondern wenn sie sich als eine „Ethik des Mitgefühls“ auch auf die sich außerhalb befindlichen Menschen bezieht.

[1] Primo Levi (1919–1987) machte seine ersten Aufzeichnungen noch im KZ, was in jedem Fall lebensgefährlich war. Er publizierte dann sein Buch ‚Se questo è un uomo’ erstmals 1958 in italienischer Sprache; die deutsche Erstausgabe erschien 1961.

 

Schulwettbewerb Future Challenge

Schulwettbewerb Future Challenge #europa4me”

Im untenstehenden Link findest du Informationen zur Initiative der Wiener Zeitung zum Schulwettbewerb Future Challenge #europa4me”

Future Challenge_Europa4me_Flyer

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