„Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Kärntner Volksabstimmung richtete eine Konferenz den Blick in die Zukunft: Sie widmete sich dem Umgang mit der Vergangenheit und mit alter und neuer Diversität, untersuchte erfolgreiche Instrumente des Sprachenerhalts, notwendige Fortentwicklungen des Volksgruppenrechts und die Rolle der Diaspora in Fragen des Minderheitenschutzes / für die Volksgruppe.

Das Gedenken bot zunächst einen Anlass, sich interdisziplinär mit dem Zusammenleben in Kärnten und der Vielfalt von Identitäten auseinanderzusetzen, um Perspektiven zur Erfüllung des Europäischen Mottos „In varietate concordia“ („In Vielfalt geeint“) zu entwickeln. Der Erhalt von Minderheitensprachen ist dabei eine Herausforderung für Volksgruppen in ganz Europa. Für die Wiederbelebung und Förderung von weniger gesprochenen Sprachen braucht es Voraussetzungen: Der internationale und nationale rechtliche Rahmen zum Schutz und zum aktiven Gebrauch von Minderheitensprachen muss von strukturellen Maßnahmen begleitet werden, welche die Sprachkenntnisse von Lehrpersonen und Dienstleistern im öffentlichen sowie privaten Bereich verbessern.

Allerdings reichen diese Ansätze nur, wenn der politische Wille auch stark genug ist, um einen Perspektivenwechsel und den Zugang zur Kultur und Sprache der Minderheit auch für die Mehrheitsbevölkerung in Gang zu setzen. Beispiele aus dem Baskenland, Katalonien, Irland, Wales, Finnland und Kanada zeigten in der Tagung, wie effektive Sprachplanung zu einer starken regionalen Identität führen kann. Die Entwicklung dieser regionalen Identitäten wird aber von einer Vielzahl veränderter Rahmenbedingungen beeinflusst: Dazu gehören neue Medien, die Urbanisierung oder die Diaspora von Volksgruppenangehörigen, die das Zusammenleben prägen und den Erhalt von Volksgruppen-Identitäten erschweren können.

Welche Gefahren und Chancen in diesen Entwicklungen für die Zukunft liegen, beleuchtete die Tagung und stellte die Frage nach neuen Instrumenten eines effektiven Minderheitenschutzes für Kärnten und Europa. Die Tagung kann hier nachgesehen werden; abrufbar ist auch eine begleitende Dokumentation mit Stellungnahmen von Expertinnen und Experten.“

Zur Konferenz gibt es eine begleitende Dokumentation, ua mit Stellungnahmen der zuständigen Ministerin Dr. Susanne Raab und dem Kärntner Bischof.