Bildungsreise der Sieger

Das Siegerteam des Quiz „Politische Bildung-Europa-Quiz 2019“ auf Bildungsreise in Slowenien

Eine kleine, aber feine Reisegruppe traf sich am 23. April 2019 frühmorgens, also noch in den Osterferien, um sich auf den Weg nach Laibach/Ljubljana zu machen. Ein erster Stopp wurde bereits nach einigen wenigen Kilometern eingelegt, um bei den 1943 errichteten Außenlagern des KZ Mauthausen Nord und Süd am Loiblpass, der Menschen zu gedenken, die unter schrecklichsten menschenverachtenden Bedingungen den Tunnel durch die Karawanken graben mussten. Leider wissen viele Kärntnerinnen und Kärntnern immer noch nicht, dass es Häftlinge des Vernichtungslagers Mauthausen waren, die diesen Tunnel gegraben haben. Viele sind dabei zu Tode geschunden oder sogar vorsätzlich ermordet worden.

Von unserem sprach- und fachkundigen Reiseleiter, Mag. Dr. Theodor Domej, dem ehemaligen Fachinspektor für Slowenisch an mittleren und höheren Schulen in Kärnten, erhielten wir viele historische, aber auch aktuelle Informationen zu unserem Nachbarland Slowenien. Er erzählte uns u.a. vom berühmten slowenischen Architekten Jože Plečnik und zeigte uns im Rahmen der Stadterkundung einige seiner Bauten wie z. B. Tromostovje – die drei Brücken sowie die National- und Universitätsbibliothek. Dem Nationaldichter France Prešeren, der einige Zeit auch in Klagenfurt gelebt hatte, begegneten wir am Hauptplatz von Ljubljana in Form der überlebensgroßen Statue.

Ein besonderes Erlebnis war der Besuch des slowenischen Parlaments mit einer englischsprachigen Führung und das Gespräch mit der Vorsitzenden der Österreich-Freundschafts – Parlamentsgruppe, Frau Abgeordnete Ljudmila Novak. Sie ist auch Kandidatin für die EU Wahl der Partei Nova Slovenija – Krscanska Ljudska Stranka und stellte uns auf Nachfrage  kurz ihre Pläne für die Zukunft Slowenien in der EU vor. Bereits von 2004 bis 2009 gehörte sie dem Europäischen Parlament an.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Innenstadt besuchten wir das Büro der deutschsprachigen Volksgruppen. Im Rahmen eines Round -Table Gesprächs mit dem Vorsitzenden der Deutschen Minderheit in Slowenien, Christian Lautischer gemeinsam mit Manuel Jug, dem jungen Vorsitzenden des Zentralverband Slowenischer Organisationen (ZSO) in Kärnten, erfuhren wir von den Bemühungen der Minderheit um Anerkennung als autochthone Volksgruppe und den Erhalt der Kultur und Sprache in Slowenien.

Der Gottscheer August Grill erzählte uns als Zeitzeuge in seiner Gottscheer Sprache (ein altertümlicher Dialekt) von der Gottschee/ Kočevje und der fast verlorenen Kultur, die es als Weltkulturerbe zu erhalten gäbe.

Der Aufstieg auf die Burg von Ljubljana, die imposant über der Stadtmitte thront, war nach einer kleinen Stärkung auf Einladung des Volksgruppenbüros trotz des Regens für die Gruppe leicht zu schaffen. Der Besichtigungsrundgang um den Dom St. Nikolaus rundete die Stadterkundung ab und das Abendessen war mit diesem Tagesprogramm redlich verdient.

Bereits um 08:00 Uhr starteten wir am zweiten Reisetag unsere Fahrt Richtung westlichster Gemeinde Sloweniens, Kobarid/Karfreit. Das erste Etappenziel war die Stadt Cerkno. Hier haben wir in einer Felsenschlucht das Partisanenlazarett „Bolnišnica Franja“ besichtigt. Der stete Aufstieg durch eine enge, steile Klamm, vorbei an einem tosenden Wasserfall, war besonders bei Regen, sehr eindrucksvoll. Wir konnten dabei ein ungefähres Bild davon bekommen, wie mühsam die Verwundeten und die Materialien an diesen versteckten Ort gebracht werden mussten.

In Kobarid/Karfreit besuchten wir  das Kobariški muzej- Museums des 1. Weltkrieges und erhielten im Rahmen einer zweistündigen, sehr engagierten Führung, die Schrecken der Schlachten des 1. Weltkrieges vermittelt.

Das Soča-Tal war der Schauplatz der größten Schlachten auf slowenischem Boden, die auch der amerikanische Schriftsteller Hemingway in seinem Roman „In einem andern Land“ beschrieben hat. Die größten Gefechte in einer Gebirgsregion in der Geschichte der Menschheit waren gekennzeichnet durch 11 blutige Offensiven der italienischen Armee sowie durch die letzte 12. Isonzoschlacht, genannt das Wunder von Karfreit (Kobarid), in der österreichisch-ungarische Soldaten mit Hilfe der deutschen Armee die Frontlinie zum Fluss Piavo schoben.

Nie mehr einen schrecklichen Krieg erleben müssen, sondern in Frieden und Freundschaft mit den Nachbarn leben dürfen, dieser Wunsch begleitete uns auf der Heimreise über den Predil-Pass nach Tarvisio und Klagenfurt. Die gesamte Reise war geprägt von einer guten, ausgelassenen Stimmung, einer ausgezeichneten Verpflegung und einer besonders netten Gemeinschaft.

Unser großer Dank geht an die Plattform Politische Bildung im Kärntner Landtag für die Ermöglichung dieser schönen und interessanten Reise, FI Dr. Michael Vrbinc für die hilfreiche Unterstützung bei der Organisation, Dr. Theodor Domej für die aufschlussreichen Führungen in der Stadt mit vielen Erzählungen und historischen Details sowie Alfred Wrulich und Christian Puck für die gute und sichere Fahrt über die Pässe.

 

Kurzbericht von Sebastian Ambrosch

Text&Fotos: Mag. Gerlinde Duller