Besuch beim Bundespräsidenten

Am 23. Juni 2015 hat in der Hofburg, in den Räumlichkeiten der Präsidentschaftskanzlei, der 46. SchülerInnentag stattgefunden. Den SchülerInnen wurden zuerst die Räumlichkeiten der Hofburg gezeigt und sie wurden anschließend von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer zu einem Gespräch empfangen. Elvira Hadzić (2 BHM), Verena Peternel (3 AHM), Julian Maier und Januš Pihler (2 CHW) haben dem Bundespräsidenten die diesjährige Rede der Jugend und Fotos zum Loiblgedenken 2015 überreicht.

(Begleitung: Ilse Geson-Gombos)

Stimme der Jugend

„Stimme der Jugend“ Loibl Gedenkveranstaltung 2015

Im Rahmen der „Internationalen Gedenkveranstaltung“ 70 Jahre Befreiung KZ-Außenlager Loibl haben Selina Tschauko, Julian Maier und Janus Pihler (2 CHW) als VertreterInnen der Jugendlichen diese Landes die „Stimme der Jugend“ übernommen. Für die TeilnehmerInnen der Veranstaltung lag die Rede auch in der englischsprachigen und französischen Übersetzung auf.

„Stimme der Jugend“ 2015

Wir lieben unsere Smartphones, den schnellen Chat über Whatsapp, wir halten uns auf dem Laufenden über Facebook, Twitter, Tumblr und Instagram. Wir verbringen unsere Nachmittage gerne in Shoppingcenters beim Chillen, Shoppen, Sehen und Gesehen werden. Wir achten auf neue Trends und kaufen angesagte Mode am laufenden Band. Wir wollen dazu gehören. Wir erfüllen die Anforderungen der Wegwerfgesellschaft und interessieren uns für das neueste, beste und vielleicht auch teuerste Handy. Wir verlieren uns in Nebensächlichkeiten, wie die große Liebe und Äußerlichkeiten, ringen um die Akzeptanz der Gleichaltrigen und vergessen dabei das Wesentliche.

Unsere Träume sind groß, die Pläne klein.

Vieles ist für uns selbstverständlich: Bezugspersonen, Familie, Freunde, Bildung, Schule, ausreichend zu Essen und Trinken. Auch, dass wir in einer Demokratie leben, nehmen wir als gegeben an. Wir dürfen und können in Freiheit leben und müssen uns nicht vor Verfolgung und Ausgrenzung fürchten.

Es könnte jedoch auch anders sein.

Wie es sein kann, wenn Menschen beraubt, gedemütigt, ausgegrenzt, verfolgt und ermordet werden, durften wir in Gesprächen mit ZeitzeugInnen erfahren. Wir mussten diese Realität kennenlernen. Wir haben das ehemalige KZ Mauthausen besucht und erlebt, dass Fakten nicht annähernd so schockierend sein können wie die Wirklichkeit, die bei einem Besuch vor Ort als Film in den Köpfen auftaucht.

Wir sind schockiert. Wir erfahren tiefes Mitgefühl. Wir fühlen. Wir hören zu. Wir lernen.

Wir lernen zu hinterfragen.

Wir sind bestürzt darüber, dass Österreich in einer kürzlich veröffentlichten Studie der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, unter 27 untersuchten Ländern mit 21,3 Prozent den höchsten Anteil an Mobbingopfern im Schulumfeld einnimmt. In den letzten Jahren ist der Prozentsatz in Österreich überdurchschnittlich gestiegen. Der OECD Bericht zieht die Schlussfolgerung, dass darin ein „ernstes, gesamtgesellschaftliches Problem, das Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter haben kann“, gesehen werden muss.

Wir sehen uns als Spiegel der Gesellschaft und fragen, woher diese Aggression unter Schülerinnen und Schülern kommt? In unserer Diskussion taucht auf, dass wir uns als Jugendliche von den Erwachsenen nicht immer ernst genommen fühlen. Wir vermissen Respekt. Wir beobachten offene Feindseligkeit gegenüber Ausländerinnen und Ausländern und stigmatisieren selbst  damit auch unsere Gleichaltrigen „Du bist wie die asozialen Ausländer am Heiligengeistplatz“. Neid gegenüber Immigrantinnen und Immigranten ist bei Jugendlichen und Erwachsenen keine Seltenheit. Wie oft wird etwas dagegen gesagt? Wir werden mit Verallgemeinerungen konfrontiert, wie zum Beispiel „Alle Muslime sind Terroristen“ Wir erfahren die Geringschätzung der Mehrheitsbevölkerung gegenüber der slowenischen Minderheit, „Wir wollen nicht mit den Tschuschen in einem Café sitzen“.

Die Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sie ist unser höchstes Gut.

Wir leben im Jetzt, tragen die Vergangenheit mit uns und müssen an unserer Zukunft arbeiten.

(Dieser Text wurde von den SchülerInnen der 2 CHW in einem Schreibworkshop unter der Leitung von Ilse Geson-Gombos für die Loibl Gedenkveranstaltung 2015 verfasst.)

 

Glas mladine 2015

…. Obiskali smo bivšo koncentracijsko taborišče Mauthausen in doživeli, da podatki in dejstva nikakor niso in ne morejo biti tako šokantna, kakor pa je resnica, ki nas je močno prizadela ob gledanju filmskih dokumentacij na kraju dogajanja.

Smo šokirani. Imamo globoko sočutje z žrtvami. Čutimo. Poslušamo. Se učimo.

Učimo se postavljati vprašanja.

….. V diskusiji ugotavljamo, da imamo mladinci občutek, da nas odrasli ne jemljejo resno. Pogrešamo spoštovanje. V javnosti opažamo odprto sovraštvo proti inozemcem in inozemkam. Pogosto zaznavamo med mladinci in odraslimi nevoščljivost in zavist do priseljencev in priseljenk. … Opažamo, da večinski prebivalci slovenske manjšine ne cenijo….

Živimo v sedanjosti, pri sebi nosimo preteklost in pripravljamo našo bodočnost.

Demokracija ni samoumevna, je dragocena dobrina.

(Übersetzung: Anna Ferk-Gasser, Janus Pihler)